Nov 11

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Konzertkritik Panorama Museum

Fred Böhme zum Frankenhäuser Konzert:

Am vergangenen Freitagabend (18.11.) fand dann noch das letzte Konzert des Jahres im Panorama Museum statt und zwar mit dem Trio Djekafo. Es bescherte den etwa 60 Gästen einen musikalischen Ausflug in das Herz Afrikas. Angesichts des kühlen Novembernebels an diesem Abend war das eine wohltuende heiß-exotische musikalische Melange.
Hannes Kies, der Kopf des Trios, ist in der Welt herumgekommen, weilte einige Zeit in Mali, Burkina Faso oder in Marokko und als von Jazz geprägter Musiker hielt er dabei die Ohren offen, sammelte Lieder, adaptierte Melodien für seine eigenen Stücke oder musizierte mit afrikanischen Musikern, denen er begegnet war.
Die Musik des Trios Djekafo war genau ein solcher Diskurs aus westlichem Jazz und zentralafrikanischen, stark perkussiven Klängen, mit einer verblüffenden Sogwirkung, einem hypnotisch-tranceartigen Effekt, der sich unweigerlich einstellte, also Musik, bei der man nun wirklich nicht still sitzen konnte. Fließende Rhythmen, getragen entweder von Dschembe oder dem volltönenden Ballaphon, eine Art Xylophon, welche virtuos von Moussa Coulibaly gespielt wurden, dazu ein grandioser Marc Lohr am Schlagzeug, der überaus sensibel und mit atemberaubender Artistik die Trommelfelle traktierte und dazu spielte Hannes Kies entweder auf dem Saxophon jazzige Improvisationen oder afrikanische Stücke in eigener Bearbeitung, wechselte zur Bassklarinette mit ihrem dunklen, vollen Ton, der herrlich mit den Klängen des Ballaphons kontrastierte oder präsentierte auf einer einfachen afrikanischen Querflöte, dem Tambin, einem schlichten Holzrohr mit einigen Löchern, dass Musizieren nicht nur eine Frage des Gehörs und einer virtuosen Bedienung eines Instrumentes sondern auch schweißtreibend und anstrengend sein kann. Auf dieser malinesischen Flöte gelangen ihm perkussiv überblasene Klänge, wie ich sie bisher nur vom Frontmann der Jethro Tull Ian Andersen kannte.
Doch im Vordergrund stand stets der treibende polyrhythmische Groove, der so simpel klingt und doch so schwer zu imitieren ist. Geboten wurden Stücke wie "Frau Sursulapitschi", "Barake Barake", "Bamako Sunrise" oder "De Koelische Peul", allesamt Kompositionen von Hannes Kies, dem gebürtigen Kölner, der aber wie seine Mitmusiker seit einiger Zeit in Berlin lebt. Überwiegend waren es rein instrumentale Stücke. Lediglich bei dreien sang Moussa mit seiner prägnant hellen Stimme in einer mir nicht bekannten afrikanischen Sprache. Da seine Deutschkenntnisse noch sehr rudimentär waren und seine Mitstreiter sich ausschließlich auf Französisch mit ihm verständigten, waren seine Botschaften vor allem aus seiner Mimik ablesbar. Was man dort sehen konnte, war ein sympathisches Lächeln bis ansteckende Fröhlichkeit. Auch wenn die Zwischenansagen von Hannes mitunter etwas hölzern daherkamen, diesbezüglich war er nicht besonders versiert, übertrug sich dennoch die Stimmung der Musik recht bald auf das Publikum. Mit dem Trio Djekafo bot das Konzertprogramm des Panorama Museums endlich wieder einmal Musik aus Afrika, wie sie in Nordthüringen nur selten zu hören ist.

Fred Böhme

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